„Ihr wißt ja, daß Ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, losgekauft worden seid von eurem nichtigen Lebenswandel, der Euch von Euren Vätern überliefert worden war, sondern mit dem kostbaren Blut Jesu Christi, als eines untadeligen und unbefleckten Lammes, welcher vor Grundlegung der Welt im voraus ersehen war, am Ende der Zeit aber geoffenbart wurde um Euretwillen“.

   Der 1. Petrusbrief, Kapitel 1, Verse 18 bis 21
Erläuterungen:

In der Zeit Jesu und der ersten Apostel gab es die Sklaverei. Ein Sklave konnte gekauft und verkauft werden. Er konnte allerdings auch freigekauft werden, was natürlich sehr selten geschah, und er war dann ein vollgültiger Mensch. Dagegen galt der Sklave damals so viel wie Nutzvieh, er war etwas mehr wert als eine Kuh und weniger als ein edles Pferd oder Kamel.

Für Petrus ist das, was er „nichtiger Lebenswandel“ nennt, so etwas wie eine versteckte Sklaverei der freien Menschen. „Nichtiger Lebenswandel“ ist für ihn die Anpassung an Traditionen und Gebräuche der Gesellschaft – nicht um der Inhalte und Werte willen, die in den Traditionen verborgen sein konnten, sondern nur um des eigenen Vorteils willen. Wenn der Mensch sich an andere Menschen und ihre Regeln anpasst, um etwas von ihnen zu bekommen, muß er diesen Menschen das geben, was sie von ihm verlangen. Er ist nicht mehr frei. Sondern er muß auch Dinge tun, die ihm zuwider sind, um den „Kaufvertrag“ zu erfüllen.

Verbrecherorganisation wie die Mafia oder Traditionen wie die Blutrache machen diese Art von Sklaverei besonders deutlich, es gibt sie aber auch viel versteckter an vielen Orten und bei vielen Gruppen von Menschen.

Zur Zeit des Petrus war bei allen Religionen das Opfern von Tieren Brauch im Gottesdienst. Daher vergleicht er den freiwilligen Tod Jesu mit solchen Opfern. Jesus hätte fliehen können oder er hätte aufhören können, zu predigen. In beiden Fällen wäre er nicht hingerichtet worden, die Römer hätten ihn nicht verfolgt. Jesus aber wollte sich und seine Sache nicht „verkaufen“. Dies vergleicht Petrus mit dem Freikaufen von Sklaven und mit dem Tieropfer im Tempel.

Die Vorbestimmung, daß dies geschehen muß, ist auch heute zu verstehen. Irgendwann ist Schluß mit Sklaverei und dem Opfer des einen Lebewesens für das andere, wenn das Leben schöner werden soll und sich der Mensch entwickeln will. Das Ende der Zeiten ist dann erreicht, wenn Menschen die Freiheit wählen und kein Opfer mehr nötig ist. Jesu Tod soll nach Gottes Willen das letzte Opfer gewesen sein.


© Johannes Schröder