„Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1. Johannes 4; 16)
Gott ist Liebe. Meiner Meinung nach ist das die beste Definition Gottes. Im Islam kennt man die 99 Namen Gottes, im Hinduismus die 333 333 Escheinungen Gottes, der Buddhismus lehrt das unpersönliche Göttliche, das Judentum lehnt jedes Gottesbild ab.

Gott ist Liebe. Ich glaube, es gibt 3 bis 6 Milliarden mögliche Formen zu lieben, so wie es 3 bis 6 Milliarden mögliche Formen des Glaubens gibt. Nach meiner Erfahrung sind die Menschen, die sich ihres Glaubens besonders unsicher sind, besonders fanatisch.

In Amerika, so lautete gestern eine Nachricht, glauben 44% der Menschn an die Erschaffung der Welt wörtlich nach der Schöpfungsgeschichte der Bibel, und nur 10% halten die Erkenntnisse Darwins für wahr – so sagen sie jedenfalls.
Im Bundesstaat Kansas wird die biologische Erklärung der Schöpfung der Welt aus dem Lehrplan aller Schulen genommen und die bilblische Schöpfungsgeschichte für verbindlich erklärt. Die Gentechnologie wird in Kansas nicht abgeschafft, einem Agrarstaat, in dem Genmais angebaut wird. Gentechnologie gründet auf den Erkenntnissen Darwins.

In der Liebe ist es anscheinend ähnlich. Wer seiner Liebe nicht traut, der meint, daß ein Mensch, der anders liebt, anders lebt und anders glaubt, ihn ablehnt oder gar haßt. Dabei ist es eine Tatsache, daß jeder Mensch anders liebt und glaubt. Wer diese Unterschiedlichkeit akzepiert, muß nicht jeden Menschen lieben, das wäre ja auch etwas viel bei 6 Milliarden Menschen. Aber er kann die Menschen lieben oder mit denen befeundet sein, die zu seinem oder ihren Kreis gehören. Und die anderen achten als die Menschen, die sie sind.

Johannes Schröder, Hamburg, den 1. September 1999