1. Korinther 2; 12 - 16

Wir haben aber nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt worden ist. Und das reden wir auch, nicht mit Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt worden sind, sondern mit Worten, die vom Geist gelehrt sind, indem wir Geistliches für Geistbegabte deuten. Ein natürlicher Mensch aber nimmt die Dinge, die des Geistes Gottes sind, nicht an; denn Torheit sind sie ihm, und er kann sie nicht erkennen, weil sie geistlich beurteilt werden müssen. Der Geistbegabte dagegen beurteilt zwar alles, er selbst aber wird von keinem beurteilt. „Denn wer hat den Sinn des Herren erkannt, daß er ihn unterwiese?“ Wir aber haben den Sinn Christi.
Der Geist des Menschen ist unsichtbar. Bis heute währt der Streit unter Medizinern, Biologen und Philosophen, ob der Mensch überhaupt einen Geist und eine Seele besitzt, oder ob beides nur eine Einbildung und ein Größenwahn eines intelligenten Tieres ist, das nach Instinkt, Umweltanpassung und Erziehung geformt ist und danach handelt.

Über die „letzten Fragen“, philosophisch: „die Prämissen und Axiome“ kommen Menschen nicht zu einer Einigung, da niemand sie beweisen kann oder hinter sie zurückgehen kann. In unserem Bibeltext wird dies schön ausgedrückt: „Wer hat den Sinn des Herrn erkannt, daß er ihn unterwiese?“ – das bedeutet: „Wer war der Lehrer von Gott?“

Daher ist das, was die einen Menschen glauben, für die anderen, die dies nicht glauben, eine Torheit. Das gilt nicht nur für die Religion. Selbst in der Physik, der vermeintlich exaktesten Wissenschaft, gibt es unversöhnliche Meinungsverschiedenheiten.

Auch im Alltag ist dies bekannt: das Kinderspiel: „Ich sehe was, das du nicht siehst“ ist ein Ausdruck davon. Wenn mehrere Menschen in die gleiche Richtung schauen und die gleichen Dinge sehen können, wird jeder nur ein Teil davon sehen, und zwar jeder einen anderen Teil.

Sie können es jetzt in der Altentagesstätte ausprobieren: Diejenigen, die an einem Tisch sitzen, sollen die an einem anderen Tisch ansehen. Nach zwei Minuten gehen diese aus dem Raum. Jeder am ersten Tisch soll dann beschreiben, was die Personen am anderen Tisch anhatten, wie sie sich bewegten usw.. Sie werden sehen, es gibt keinen exakt gleichen Blick.

Den Geist Gottes, den heiligen Geist macht aus, daß dieser unterschiedliche Blick und Geist jedes Menschen kein Nachteil, sondern über die Liebe ein Vorteil ist.



Johannes Schröder, Hamburg, den 9. 6. 2000