Von Elim zogen sie aus, und die ganze Gemeinde der Israeliten kam in die Wüste Sin, die zwischen Elim und Sinai liegt, am fünfzehnten Tage des zweiten Monats, nachdem sie von Ägypten ausgezogen waren.
2 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, daß ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben laßt. Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, daß ich, der HERR, euer Gott bin. Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde.
Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu ?( d. h. Was ist das?) Denn sie wußten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist a das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. Das ist's aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte. Und die Israeliten taten's und sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber als man's nachmaß, a hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte. 2. Mose 16; 1-3 + 11-17
Diese Geschichte ist eine Legende ebenso wie das Evangelium aus Johannes 6, die Speisung der 5000. Diese Legenden beruhen auf realen Ereignissen, doch durch die mündliche Überlieferung werden die Ereignisse immer größer und wundersamer ausgeschmückt. Dies kann jeder auch heute noch sehen, wenn er verfolgt, was aus einem Gerücht oder aus Klatsch werden kann. Im Kinderspiel „Stille Post“ kann man ausprobieren, wie sich eine mündliche Nachricht über 5 bis 10 Stationen verändert.

Es gibt in der Wüste Pflanzen, die manchmal Säfte ausscheiden, ähnlich wie Kiefern bei uns, sie verhärten und sehen aus wie Rauhreif. Sie sind süß und eßbar. Ebenso geschieht es ab und zu, daß Wachteln bei ihren Zügen schwach werden und „notlanden“ müssen, sie sind dann mit der Hand zu fangen.
Der Geschichte der Speisung der 5000 liegt die Erfahrung zu Grunde, daß manchmal, wenn Menschen es knapp haben, aber bereit sind, zu teilen, sehr wenig genug sein kann, sogar so viel, daß sich Menschen manchmal nach Notzeiten zurücksehnen, weil damals der Zusammenhalt und die Feste viel schöner waren als in Zeiten des Überflusses.
Das Teilen von Lebensgrundlagen und Gütern ist der Kern dieser Legenden. Ihre Ausschmückung ist aus der Sehnsucht der Menschen zu verstehen, „gefüttert“ zu werden, einmal nicht selbst für die eigene Ernährung verantwortlich zu sein.

Vor der Entdeckung der Viehzucht und des Ackerbaus vor ca. 10.000 Jahren lebten vielleicht 3 Millionen Menschen auf der Erde, die jagten und sammelten, was sie zum Leben brauchten. Und mit ihnen war die Erde überbevölkert – stellen Sie sich 3 Millionen Tiger oder Löwen mit der Gier von Menschen vor.
Mit Viehzucht und Ackerbau trug die Erde prötzlich bis zu einer Milliarde Menschen, heute, mit der Kenntnis von Ursachen und Behandlung vieler Krankheiten leben 6 Milliarden. Diese Zahl an Menschen kann sich nur ernähren, weil sie die Natur beeinflußt, entwickelt und geändert hat. Damit geht einher, daß die Ernährung nicht mehr „natürlich“ und schicksalhaft ist, sondern allein in Verantwortung des Menschen liegt. Diese Änderung beschäftigte schon die Menschen der Bibel und um sie zu bewältigen, wurden diese Legenden erzählt. Wenn Menschen nicht teilen, kann die Nahrung nicht ausreichen, wenn Menschen die Tiere und Pflanzen nicht achten, nehmen sie sich selbst ihre Grundlagen. Die Grundlagen stehen aus der Schöpfung zur Verfügung, der Umgang damit ist Sache der Menschen. Selbst zu schöpfen ist dem Menschen möglich. Aber es geht nur gut, wenn es nach den Gesetzen des Lebens geschieht.
Der Wissenschaftler, der in Edinburgh das Schaf „Dolly“ geklont hat, ist heute ein Kritiker des ungehemmten Klonens. Denn das geklonte Tier war bei der Geburt biologisch so alt wie das Tier, aus dem die Stammzellen entnommen wurden, und wird seitdem älter. Der Traum des ewigen Lebens läßt sich nicht mit biologischen Triks erfüllen. Das spricht nicht gegen Wissenschaft. Doch es spricht für den bewußten und sorgsamen Einsatz wissenschaftlicher Erkenntnis und für die Beachtung von Zusammenhängen, die dem Leben entsprechen.