Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich ißt, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit. Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.
Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte, daß seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das? Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Aber es gibt einige unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wußte von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.
   Johannes 6; 55 - 65
"Mein Fleisch ist wahre Speise, mein Blut ist wahrer Trank" – dieser Satz hat die Christenheit über Jahrtausende gespalten.

In unserer Kirche verstehen wir ihn symbolisch, Wein (Traubensaft) und Brot erinnern an das Abendmahl Jesu am letzten Abend vor der Kreuzigung mit seinen Jüngern, und sie bedeuten Leib und Blut. Die katholische Kirche sagt dagegen, daß sich Wein und Brot real in Blut und Leib Jesu wandeln.

Es läßt sich meiner Meinung nach solch eine Verständnis- und Glaubensfrage nicht von oben her für eine ganze Konfession verordnen, jeder Mensch versteht und glaubt das Abendmahl unterschiedlich, der Glaube ändert sich auch beim gleichen Menschen in den verschiedenen Zeiten seines Lebens.

Jesus erinnert mit diesen Worten auch an die Geschichte Israels, er ist Jude und sieht seine Aufgabe in der Wiederherstellung von Grundlagen des jüdischen Glaubens. Er erinnert an das Manna, das die Nahrung des Volkes Israel nach dem Auszug aus Ägypten war (real war dieses Manna ein süßes Harz einer Wüstenpflanze, das man auch heute noch findet und essen kann, Mose war ein Mann, der wußte, wie man sich in der Wüste orientiert und wie man in ihr überleben kann).

Gott sorgt für seine Menschen, so ist die Aussage, auch wenn es manchmal nicht so aussieht - so ist auch Jesu Werk wirksam, obwohl es mit seiner Hinrichtung nicht so aussieht.

Die dritte Aussage in dieser Rede Jesu ist für ihn sicher die wichtigste gewesen: Der Mensch braucht einen Sinn des Lebens, Liebe und Vertrauen, ebenso nötig wie Essen und Trinken. Dies ist an kleinen Kindern ganz real zu sehen. In Waisenhäusern Rumäniens nach der Wende hat man beobachtet, wie viele Kinder einfach an Liebesmangel gestorben sind, weil sich niemand um sie gekümmert hat. Das gilt auch, nur nicht so auffällig, für Erwachsene.


© J. Schröder