Jesus sagte zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter (heute: Verwalter oder Prokurist); und dieser wurde bei ihm verklagt, daß er ihm den Besitz verschleudere. Und der Herr ließ ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich da über Dich? Lege Rechenschaft ab über Deine Verwaltung! Denn Du kannst nicht mehr Haushalter sein.
Da sagte der Haushalter bei sich selbst: Was soll ich tun, da mit mein Herr die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun will, damit sie, wenn ich von der Verwaltung abgesetzt bin, mich in ihre Häuser aufnehmen.
Und er ließ jeden einzelnen der Schuldner seines Herren zu sich rufen und sagte zu dem ersten: Wieviel bist Du meinem Herren schuldig? Der antwortete: Hundert Bath Öl. Da sagte der Verwalter zu ihm: Nimm hier Deinen Schuldschein, setz Dich schnell hin und schreibe: fünfzig. Darnach sagte er zu einem anderen: Du aber, wieviel bist Du schuldig?Der antwortete: Hundert Kor Weizen. Er sagte zu ihm: Nimm hier Deinen Schuldschein und schreibe: achzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter daß er klug gehandelt habe.
Denn die Söhne dieser Welt sind ihrem Geschlecht gegenüber klüger als die Söhne des Lichts. Und ich sage Euch: Machet Euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie, wenn er Euch ausgeht, Euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Der ungerechte Haushalter, Lukas 16; 1 – 9
Die Gemeinde ist an diesem Sonntag, wie häufig in der Auferstehungskirche, gemischt, Gruppen sind vertreten, die nicht „zusammenpassen“ nach herkömmlichen Verständnis: Rücksiedler aus der ehemaligen. Sovietunion, Konfirmanden, Bürger aus Lohbrügge, Tauffamilien, von denen die meisten Angehörigen kirchenfern sind.

Im Eingehen auf alle Gruppen zugleich öffne ich auch mir die Möglichkeit, die Tradition für heute allgemein verständlich zu machen.

Jesus beschreibt die Wirklichkeit. Er bezieht hier nicht Stellung dazu, ob der Umgang mit Geld gut oder schlecht ist, sondern geht auf den Umgang mit Geld ein. Der Verwalter hat seinen Herren, einen Gutsherren oder Großhändler betrogen und wird gekündigt. Vor der vollständigen Übergabe des Geschäftes geht er schnell noch zu Schuldnern, deren Schuldscheine er ausgeschrieben hat (der Herr kennt die Einzelheiten der Geschäfte des Verwalters noch nicht), und setzt sie im Wert herunter. Damit profitieren die Schuldner und werden als Gegenleistung dem Verwalter bei der Suche nach neuer Arbeit behilflich sein. Der Herr lobt ihn für schnelle Arbeit bei der Rückgabe der Verwaltung (der Prokura).

Ein Betrug, wie er damals geschah und auch heute häufig geschieht.

Geld ist im Kern die Frucht menschlicher Arbeit. Wie ich mit Geld umgehe, so gehe ich mit Menschen um. Jesus beschreibt hier die Tatsache, daß der Betrüger meist als charmanter und interessanter als der ehrliche Mensch wertgeschätzt wird – nicht nur von den Menschen, die ihren Gewinn davon haben, sondern auch von den Opfern des Betruges, in diesem Gleichnis dem Herren selbst.

Geld ist die Frucht menschlicher Arbeit. Ein Bauer in archaischen Völkern konnte nur so viel leisten und gewinnen, wie er mit Händen und Füßen auf einem Stück Land oder als Nomade mit seiner Herde schaffen konnte. Er war begrenzt durch und auf seinen eigenen Körper.

Mit Geld kann der Mensch seine Macht erweitern und kann die Leistung vieler Menschen auf wenige Menschen konzentriert werden. Mit Geld kann auch menschliche Leistung konserviert und in die Ferne übertragen werden. Mit viel Geld fühlen sich daher fast alle Menschen größer und mächtiger, als sie sind, sie fühlen sich wie ein kleiner Gott.

Sie sind real auch viel mächtiger als der Bauer oder Jäger in Urzeiten, das nicht zu übersehen ist Jesus wichtig. In unserer Gemeinde versuchen wir, mit dieser Tatsache umzugehen. Die Partnerschaft nach Weißrußland (für die heute die Kollekte bestimmt ist), nach Indien und nach Südafrika, ebenso die Hilfen vor Ort, wollen mit ihren Spenden ein Stück Gerechtigkeit wieder herstellen, die durch unser Wirtschaften, dadurch, wie und bei wem wir kaufen, verloren geht.

Denn die Menschen in Weißrußland arbeiten ja nicht alle unbedingt weniger oder schlechter als die Deutschen in ihrem Achtstundentag. Aber sie bekommen nur ein Zwanzigstel von dem, was wir bekommen. Das liegt an den Währungsunterschieden und auch an den Regierungen, die die Völker sich gewählt haben. Es wäre natürlich besser, gleich gerecht zu wirtschaften, aber so lange das nicht gelingt, ist diese Hilfe nötig.

Der erste Schritt zur Gerechtigkeit ist das Wissen. Als ich Euch, die Konfirmanden, fragte, wie viel Miete für die Wohnung Eure Eltern zahlen, welche Abzahlung für ein Eigenheim, was Eure Eltern verdienen, konnte kaum einer von Euch darauf antworten. Sexuell seid Ihr aufgeklärt, aber über Geld, das größte Tabu heute, nicht. Geld, hier in der Geschichte Jesu Mammon genannt, wird damit zu einem religiösen Geheimnis, zu einem Gott. Aufklärung über Geld, natürlich bei den Kindern angefangen, kann zu menschlicherem und gerechtem Umgang mit Geld führen.

Der Verkauf unserer Kirche gehört ebenso dazu. (Im Jahr 1999 schlug ich vor, zum finanziellen Erhalt der Arbeitsbereiche der Gemeinde die Kirche und das Gemeindehaus zu verkaufen (ca 2500m2) und ein Drittel für die Nutzung durch die Gemeinde zurückzukaufen).

Es ist ja nicht meine Kirche, wie in der Zeitung stand, die Kirche gehört den Gemeindemitgliedern hier in Lohbrügge. Ich will die Kirche für unsere Gottesdienste erhalten. Da heute in Hamburg nur noch 18% der Menschen, nicht einmal jeder 5., zwischen 20 und 60 Jahren, die selbst Geld verdienen, zur Kirche gehören, lassen sich nicht mehr alle Kirchen und Gemeinden erhalten.

Daher ist mein Plan, die Kirche für die Zeiten, in denen sie leersteht, an den Werktagen, für andere Menschen zu öffnen, eine Möglichkeit, die Kirche für die Gemeinde auf Dauer für die Gottesdienste und die Kirchenmusik zu erhalten. Weil mit Geld so umgegangen wird, wie Jesus beschreibt, muß ich die Konstruktion wählen, sie erst zu verkaufen und dann einen Teil zurückzukaufen.

Andere Pläne bestehen darin, Gemeinden ganz zusammenzulegen und die Kirchen, die dann überflüssig sind, ganz zu verkaufen. Altar, Christus, Kanzel und Taufstein werden entfernt, auch andere Bestandteile, die der Kirche ihr Gesicht geben. Das Gebäude wird danach nur für andere Zwecke gebraucht.

Kirche ist aber nicht das Gebäude. Kirche ist überall dort, wo Menschen etwas für das Leben, ob für sich selbst, für oder mit anderen Menschen oder für die Schöpfung tun. Daher ist es mir wichtig, die Partnerschaften, das Jugendzentrum und die Altentagesstätte, die Musik und alles, was Menschen bei uns tun, zu erhalten, auch mit dem Geld aus dem Verkauf.

Heiligkeit kann man nicht bauen, Geld ist nicht heilig oder vom Teufel. Je nachdem wie jeder Mensch damit umgeht, ist Geld, ist ein Gebäude, wird ein Beruf für das Leben und die Liebe eingesetzt = heilig, oder eben dagegen.


Johannes Schröder