Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute; und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet. Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird mit einem törichten Mann zu vergleichen sein, der sein Haus auf den Sand baute; und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war groß.

Matthäus 7; 24 - 27


Das Gleichnis Jesu stimmt für Norddeutschland so nicht. Bei unseren Bodenverhältnissen muß man auf Sand bauen, damit die Feuchtigkeit abfließt und das Haus eben steht. Das ganze Gemeindezentrum ist auf aufgeschütteten Sand gebaut. In Israel sind die Verhältnisse anders. Der Sand, der in den Tälern zwischen dem Felsboden liegt, kann bei Platzregen zu einem Waadi, einem Fluß werden, der die meiste Zeit trocken liegt, aber dann viel Wasser führt.

Der Aufwand, auf Fels zu bauen, war doppelt hoch: Zum Einen mußte der Fels mit der Spitzhacke per Hand eben gemacht werden. Zum Anderen lagen die Felsgebiete weiter vom Wasser weg als die versandeten Täler – die Frauen mußten jeden Morgen weiter zum Wasserholen laufen. Also höhere Baukosten und höhere Unterhaltskosten.

Jesus überträgt diese Tatsachen auf das Leben der Menschen.

Er hat mit der Bergpredigt nicht Lebensregeln, sondern Lebensmöglichkeiten gezeigt – etwa so, wie der Architekt eines Hauses dem Bauherren nicht vorschreibt, wie er sein Leben zu gestalten hat, aber die Lebensgestaltung durch ein gutgeschnittenes und solides Haus erleichtert und fördert.

Wie der Baupreis eines Hauses durch einen Architekten höher wird, aber, wenn der Architekt gut ist, der Wert des Hauses ebenfalls, so wird der Einsatz für das Leben nach den Bildern der Bergpredigt höher, aber die Lebensqualität ebenso. Die entscheidenden Dinge des Lebens, so sagt Jesus, sind sogar nur nach den Bildern und Möglichkeiten der Bergpredigt zu erreichen, versucht man es ohne, fällt das Lebensgebäude unter Umständen zusammen, oder (wie Jesus in einem anderen Gleichnis vom Bau eines Turmes erzählt), das Gebäude kommt gar nicht erst zustande.

Liebe, Frieden, Verständnis und die Realisierung von Hoffnung sind nicht zu kaufen. Aber sie sind eben auch nicht umsonst. Man muß Leben investieren, um sie zu erreichen, so wie man Geld und Arbeit investieren muß, um ein Haus zu bauen. Den Irrglauben, jeder Mensch hätte den Zugang und das Recht auf Liebe und Hoffnung, ohne selbst etwas dazu zu tun, beschreibt Jesus hier mit dem Bild des auf Sand Bauens. Auf Fels bauen ist, selbst aktiv zu lieben, zu verstehen und zu hoffen, selbst gegen Widerstand und den Hohn: "Mit der Bergpredigt ist keine Politik, Kirche, Wirtschaft, Erziehung, Ehe und Liebe zu machen".

© Johannes Schröder, Hamburg 1999