Ostern

An manchen Büschen und Sträuchern in den Gärten sind schon Ostereier zu sehen. Das Ei war Symbol für das neue Leben in den früheren Religionen Europas und wurde (wie das Feuer und Licht zur Wintersonnenwende an Weihnachten) auch mit der Ausbreitung des Christentums beibehalten.

In den Diskussionen und Parlamentsentscheidungen dieser Jahre zum Umgang mit den neuen Erkenntnissen der Genforschung geht es um das Leben und besonders auch um den biologischen Ursprung des menschlichen Lebens, um die Eizelle und das Embryo. Sollen und dürfen wir den Menschen von Beginn an formen und gestalten, oder ist hier eine Grenze der Anwendung unseres Könnens? An welchem Punkt der Entwicklung des Embryos wird aus einem Zellhaufen ein Mensch?

Für mich sind dies wichtige Fragen. Doch ich scheue mich, auf diese Fragen eine eindeutige Antwort zu geben, bevor nicht eine für mich wichtigere gestellt und beantwortet ist: Wie wichtig ist das Leben für mich an jedem Tag meines Lebens? Wie sehr genieße und gestalte ich es in dem Geist, der Leben von Mensch, Tier und Pflanze fördert?

Wird das neue Wissen im Geist des Lebens, im Geist von Ostern angewandt, kann manches Gute neu geschaffen werden, auch wenn nicht jedes Vorhaben gelingen wird. Wird es im Geist der Kostenersparnis und der Effizienz allein, im Geist der Abkürzung von Lebenswegen und Lebensregeln eingesetzt, werden sicher ähnlich kranke und lebensfeindliche Praktiken entstehen, wie heute schon Hormonmast von Tieren, Vergiftung von Böden oder Patentierung von Saatgut, dessen Früchte unfruchtbar sind.

Jede Technik und auch jede natürliche Gabe oder Fähigkeit kann in unterschiedlichem Geist eingesetzt werden. Nicht Vergötterung oder Verbot einer Technik dienen dem Leben. Sondern der Einsatz von Technik und Gaben in Respekt vor dem Leben und aus gelebtem Leben heraus kann Schönes hervorbringen.

Wenn ich erlebe, wie fehlerhaft und für den Gebrauch anstrengend die vorige Technik, der Computer, heute 50 Jahre nach der Erfindung des Computers noch ist, würde ich allerdings kaum einem Biologen mein Kind oder Enkel anvertrauen. Ein „Absturz“ ist bei Lebewesen nicht einfach rückgängig zu machen. Dies ist einer meiner Bedenken. Ich bin nicht grundsätzlich für oder gegen Gentechnologie und Forschung an menschlichen Stammzellen, ich sehe nur, daß sehr viele Menschen das Leben nicht lieben, sondern glauben, gerade an den wichtigsten Dingen des Lebens sparen zu können oder gar glauben, ein weit besseres aus dem Hut zaubern zu können.

Pastor Johannes Schröder