Zur Einstimmung auf die Advents- und Weihnachtszeit 2004:

"Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens"

Aus der Weihnachtsgeschichte in Lukas 2

"Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens"

Der Weihnachtsgruß der Boten, der Engel verspricht Frieden für ganz bestimmte Menschen, nicht Frieden auf Erden für alle Menschen zu einer bestimmten Zeit oder für alle Zeiten. Der Brauch aus früheren Zeiten, zu Weihnachten Kriege und Streit zu unterbrechen, um auf beiden Seiten zur Besinnung zu kommen, hatte seine guten Seiten, wenn danach Wege zur Versöhnung gefunden wurden.
Er hatte aber auch seine dunkle Seite, wenn die Zeit der Besinnung dazu genutzt wurde, mit neuer Kraft und Motivation wieder in den Streit zu gehen.
Heute sind die Kriege und der Streit anders geworden. Nicht mehr Millionen Soldaten treten gegen Millionen Soldaten an, auch keine Völker mehr gegeneinander – obwohl uns manche Propaganda dies noch glauben machen will. Es sind nicht einmal mehr unbedingt die Unterdrückten und Elenden, die für ihr Recht aufstehen. Krieg ist ein Instrument für die unterschiedlichsten Zwecke und Ziele. So unterschiedlich, wie Menschen sein können. Einigkeit scheint dabei nur darin zu herrschen, daß jeder Mensch im Krieg sich für einen Menschen hält, auf dem Gottes Wohlgefallen liegt.
Wer dies noch nicht von sich glaubt, oder gar am Krieg zweifelt, gilt als schwach und unpatriotisch, als Feind Gottes und der aufrechten und eindeutigen Menschen.
Gottes Wohlgefallen verstehe ich als religiöses Wort für die Liebe zum Leben, die jedem Menschen möglich ist. Zum Leben in all seinen Ausdrucksformen, Natur, Pflanzen, Tiere, andere Menschen und auch zu sich selbst, nicht nur beschränkt auf die eigene Gruppe und auf ein beschränktes Bild von sich selbst.
Wenn wir diesen Friedensgruß hören, ihn "in unserem Herzen bewegen" und ihn für jeweils das eigene Leben annehmen, kann Frieden werden und kann ich Friedensstifter sein. Mit der Freiheit des Menschen ist aber auch möglich, daß ich oder daß andere Menschen das Stiften von Frieden ablehnen oder gar als Kampfansage auffassen.
Ob Frieden ist und wird, wo und wann er wird, gilt daher für jeden Menschen und für jede Beziehung neu.


Pastor Johannes Schröder