„Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner, daß er weiß, was gut und böse ist“. Die Nordseite des Turmes besteht nur aus zwei schmalen Flächen mit einer breiten Lücke dazwischen. Die Lücke wird im Graffito als „Sund“, als Abstand zwischen dem Baum der Erkenntnis auf der Ostseite des Turmes und dem Baum des Lebens auf der Westseite des Turmes genutzt. Sünde bedeutet „Abstand“ oder „Trennung“, das Wort ist ursprünglich nicht moralisch gemeint.

Das untere Drittel des Freskos, die mit Pflanzen bedeckte und zum Teil blühende Erdoberfläche, setzt sich von ihrem kargen Beginn an der Südseite über Ost- und Nordseite bis an die Westseite fort – so wie die mineralische und pflanzliche Welt Vorläufer bei der Evolution der Tiere und des Menschen war. Das Fresko wurde hier inzwischen nach 9 Jahren wie geplant durch die Bepflanzung mit Kletterpflanzen bedeckt, die diesen Teil des Bildes übernehmen.

Das mittlere Drittel wird auf dieser Seite des Turmes beherrscht von dem Engel mit flammendem Schwert, dieser gehört zur Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies. Beide Bäume reichen von der Ost- wie von der Westseite des Turmes um die Ecken bis an den Sund, an die Trennung heran. Die Trennung des Menschen vom alten, unbewußten Paradies durch die Entwicklung seines Bewußtseins und der mögliche Schritt in ein bewußtes modernes Paradies unter dem Baum des Lebens ist kein Fall und keine Strafe Gottes.

Der Mensch hat mit der Trennung viel gewonnen - seine Gottähnlichkeit, die das Bibelwort ausspricht, ist in der heutigen Sprache sein Bewußtsein und Selbstbewußtsein, seine Entscheidungsfreiheit und sein Wille.

Und er hat verloren – Unbewußtheit und Unschuld, Symbiose mit der Natur und in der menschlichen Gemeinschaft. Er ist anders geworden, die negative Deutung der Trennung als Sündenfall vergißt die positiven Seiten der Trennung, verwandelt eine Tatsache der Evolution in eine moralische Angelegenheit.

Das obere Drittel des Turmes ist rundum blauer Himmel. Damit wird die Schwere der Betonsäule aufgehoben. Weiter