Gedanken zu Weihnachten und dem Jahreswechsel

Ein Fest des Lichtes und der Fülle ist Weihnachten, Rückblick auf das alte Jahr und Besinnung und Hoffnung auf das Neue soll Sylvester gefeiert werden- an den dunkelsten Tagen des Jahres. Im Dunkeln leuchtet Licht heller, als wenn es auch in der Umgebung hell ist. Fülle zum Fest erfreut mehr, wenn sonst Kargheit herrscht.

Mancher sehnt sich insgeheim Dunkel und Kargheit für den Alltag herbei, um wieder feiern und sich freuen zu können, doch leben in Dunkel und Kargheit will niemand.Licht und Fülle in ihren Lebensum-ständen haben so viele Menschen wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Nicht notwendiger-weise muß dies zum Überdruß und zur Übersättigung führen. Wer Licht hat, kann Anderen leuchten und ihnen Licht sein, wer Fülle besitzt, kann aus dieser Fülle schöpfen oder´aus der Fülle teilen. Denn nicht nur das Dunkle hebt Licht hervor.

Denken Sie an einen Sommertag: Unterschiedliche Formen, verschiedene Farben, Lebendigkeit können bunt leuchten - alles ist hell und jedes hebt sich vom Anderen ab. So können Menschen auch in der Fülle glücklich sein, Lichter zu Licht hinzufügen - es ist nur sehr ungewohnt.

Wie ungewohnt, macht ein "Experiment" in den Niederlanden während der 80er Jahre deutlich: Das Parlament beschloß ein Künstlergehalt in der Höhe eines Angestelltengehaltes, das jeder Künstler in Anspruch nehmen durfte. Nach einigen Jahren wurde dieses Gehalt gestoppt: Die Künstler hatten erlebt, daß ohne Druck zu überleben ihre Kreativität geringer wurde oder verschwand.

Wollen Menschen es heute anders machen? Es liegt an jedem einzelnen, der nicht um sein Leben und seine Grundbedürfnisse kämpfen muß. Er kann Licht dem Licht folgen lassen und muß nicht mit Not, Zerstörung und Zusammenbrüchen spielen. Er kann fröhlich teilen und genießen, was das Leben ihm geschenkt hat, wie auch das, was er selbst geschaffen hat.


Pastor Johannes Schröder
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