Warum gehört die Auferstehungskirchengemeinde
Hamburg-Lohbrügge bisher
nicht zum Kirchspiel Bergedorf?

Der Grund ist der Erhalt des Gemeinschaftszentrums im Gemeindehaus am Kurt-Adams-Platz 9

Im Jahr 2002 wurde das Gemeindehaus der Auferstehungs-kirchengemeinde mit Hilfen von der Nordelbischen Kirche und vom Bezirk Bergedorf der Stadt Hamburg mit relativ geringen Kosten bei Erhalt und Nutzung der bisherigen Baustruktur zu einem Gemeinschaftszentrum umgebaut.

Die Gemeinde nutzt das Souterrain weiterhin für das Jugendfreizeit- und Beratungszentrum und für den Seniorentreff. Die Räume des Seniorentreffs werden ausserdem von Anderen an Vormittagen und Abenden genutzt. Die zwei Wohnungen im aufgesetzten 1. Stock sind vermietet.

Im Erdgeschoß hat „Leben mit Behinderung Hamburg“ Büroräume und der Bergedorfer Impuls für seinen Beschäftigungsträger „Kulinara“ Koch- und Arbeitsräume gemietet. Die Elbe-Werkstätten nutzen den Saal und Nebenräume für die Minotauros-Theaterkompanie für Behinderte, die bei uns probt und trainiert. Der Saal wird auch vom Jugendzentrum für die Hip-Hop-Academy, für den Chor und für Gemeindefeste genutzt, ausserdem regelmäßig vom Bürgerverein Lohbrügge.

Zwei Räume hat sich der Senioren-Computerclub selbst umgebaut und 18 PC mit Server für seine täglichen Sreffen installiert.

Das Café und die zwei Küchen werden von all diesen Gruppen nach Absprache genutzt. Damit kann z. B. „Leben mit Behinderung“ zusätzlich zu seiner Hilfe in den Häusern und Wohnungen der Familien mit behinderten Angehörigen auch Gruppenangebote bis hin zu einer Disco im Gemeinschaftszentrum anbieten. Durch die Nutzung aller Räume von morgens bis abends liegen die Kosten für jeden Nutzer bei 20% - 30% des sonst Üblichen.

Die Herausforderung ist die Zusammenarbeit. Wenn die Räume täglich mehrmals von einer Gruppe der Nächsten übergeben werden, muß jede Gruppe selbst für Reinlichkeit und Ordnung sorgen. Dies klappt überwiegend sehr gut, auch wenn es nicht wie bei eigenen Räumen immer ruhig und gediegen ist.

Wichtiger noch als die Ersparnis an Geld (und Energie) ist, daß alle unterschiedlichen Gruppen und Menschen täglich zusammenleben. Ganz zu Beginn haben Jugendliche aus dem Jugendzentrum behinderte Jugendliche gehänselt und belästigt. Seit sicher 10 Jahren ist da nicht mehr passiert. Bridgeclub, zwei Chöre, Disco mit Schlagern Hip-Hop-Ausbildung, Senioren ab 60 im PC-Club, bis 96 im Seniorenclub, Schwerstbehinderte, Theaterproben mit Tanz auch im Rollstuhl, Kirchengemeinderat und so weiter – man kennt sich und respektiert sich.

Man muß nicht „auf die Menschen zugehen“, „Barrieren öffnen“, „Inklusion fördern“. Alles ist gelebter Alltag.

Vor 30 Jahren hat sich unser Bundesschluß mit Südafrika zusammen mit den Menschen dort gegen die Apartheit eingesetzt. Heute müssen wir es zunehmend bei uns tun. Denn Städte und Stadtteile, Lebenswelten, Reiche und Arme, In- und Ausländer, Gemeinschaften und Interessengruppen trennen sich deutlich voneinender. 

Verstärkt wird diese Entwicklung durch das Wachstum der Immobilienpreise und den dadurch geringer werdenden freien Raum, in dem Menschen sich ohne Kosten für Essen, Trinken, Veranstaltungen etc. treffen können und den sie mitgestalten können.








Un
ser Gemeinschaftszentrum ist als Gebäude noch nicht aufgestockt und „optimiert“. Daher finden auch Menschen mit Elektrorollstühlen ohne Hilfen überall Zugang. Die Hip-Hop-Gruppen können sich neben Leben mit Behínderung und auf der anderen Seite mit Besuchern des Seniorentreffs treffen, auch weil einiges an Lärm und Lebensäusserungen gegenseitig ertragen wird und weil nicht gleich teure Technik oder wertvolles Inventar kaputtgeht. Das Haus hat 10 ebenerdige Ein- und Ausgänge, daher müssen schwierige Menschen nicht ferngehalten werden. Und unser Haus liegt am Rand des Parkes „Grünes Zentrum“, nicht beengt zwischen Wohnhäusern.

Jedes offene Haus dieser Art, das umgebaut oder dessen Lage verdichtet wird, wird zuerst die Menschen verlieren oder gar selbst entfernen, die solch einen Ort am meisten brauchen. Die Rechte von zusätzlichen Bewohnern eines aufgestockten Hauses oder von Bewohnern von neuen Häusern in der Nachbarschaft auf Ruhe und Sauberkeit haben in fast allen Gerichtsverfahren um diese Frage Vorrang vor sozialer Nutzung bekommen.

Selbst die schwierigsten und manchmal kriminellen Besucher des Jugendzentrums haben seit Jahren Respekt vor den behinderten Besuchern und den Senioren – das tägliche Zusammenleben an einem Ort macht die Unterschiedlichkeit selbstverständlich. Sie nennen einander manchmal noch „Spasti“, aber lachen nicht über die Besucher mit spastischen Lähmungen.

Dieses Gemeinschaftszentrum will der Kirchengemeinderat der Auferstehungskirche behalten. Dies wollen auch die Mehrheit der Gemeindeglieder und der Bewohner von Lohbrügge-Nord und der Bezirk Bergedorf, dem das Jugendzentrum ein eigenes Haus der Jugend zu doppelten Kosten erspart und für den der Seniorentreff in diesem vom Alterschnitt ältesten Stadtteil Hamburgs wichtig ist (nebenbei verwalten wir, Frau Ruth Klett, ehrenamtlich für Bergedorf auch die Fördergelder für Senioren, die sonst nur noch für die Verwaltung der Gelder gereicht hätten).

1. Eine Fusion der drei Gemeinden in Lohbrügge und/oder ein Beitritt zum Kirchspiel Bergedorf kam 2016 nicht zustande, da die Kirchengemeinderäte der Gnadenkirche und der Erlöserkirche eine Fusion nur ohne Vertrag über Beibehaltung bisheriger Arbeitsbereiche, Mitarbeiter oder Gebäude beschließen wollten, der neue gemeinsame KGR sollte ab 2017 mit seiner Planung und mit seinem Handeln für die Zukunft mit einem weissen Blatt Papier anfangen können. Alles sollte ohne Vorbedingungen zur Disposition stehen. Ähnlich ist es in eingeschränktem Maße bei einem Beitritt zum Kirchspiel. Unser KGR wollte einen Vertrag zur Fusion / zum Beitritt mit Erhalt des Gemeinschaftszentrums inklusive Jugendzentrum und Seniorentreff und mit Absprachen und Fristen über die Verteilung von Arbeitsbereichen, Mitarbeitern und Gebäuden aushandeln und abschließen. 

2. Der Standort und die Gebäude der Auferstehungskirche wurden im Gebäudeprozeß des Kirchenkreises Hamburg-Ost mit "B" eingruppiert, Grund ist die Gemeinwesenarbeit bei uns, die gesamtkirchlich als nötig und in unseren Gebäuden langfristig leistbar eingestuft wurde. Die Gemeinde trägt sich wirtschaftlich selbst. 

Pastor Johannes Schröder