Bekenntnisse der Konfirmandinnen 2018 zur Konfirmation am Sonntag Palmarum, dem 25. 3. 2018

Ich glaube an Gott als eine höhere Kraft. Ich bezweifle, daß nur Jesus ein Kind Gottes ist. Ich glaube, daß wir alle Kinder Gottes sind. Ich glaube an die Liebe zur Familie, zu Freunden und zu Partnern. Ich glaube daran, daß Gott erst vergibt, wenn wir unseren Schuldigern vergeben. Ich glaube nicht, daß Adam und Eva die ersten Menschen waren. Als Leben nach dem Tod stelle ich mir vor, daß die Seele in den Himmel „Paradies“ kommt und daß ein Teil eines Menschen in seinen Nachfahren weiterlebt. Ich bezweifle, daß Gott die 10 Gebote festgelegt hat, sondern daß die Menschen Richtlinien und Gesetze für eine funktionsfähige Gesellschaft zusammengestellt haben.  Meiner Meinung nach sollte man jede Religion akzeptieren und respektieren, die gegen Gewalt ist.

Amalia Valov

Ich glaube an Gott als eine Kraft, die einem in schweren Situationen Hoffnung verleiht und einen auf den richtigen Weg bringen kann. Ich bin froh, in einer Gemeinde zu sein, in der man verstanden, akzeptiert und unterstützt wird. Ich finde, daß diese Sachen nicht ohne Grundwerte wie Liebe oder Vertrauen funktionieren würden, deswegen sind diese sehr wichtig für mich. Eine andere wichtige Sache ist die Familie, welcher ich für die Unterstützung und Liebe danke. Ich empfinde, daß die Religion mich in diesen Sachen stärkt und vertrauter macht.

Daniela Kaiser

Ich glaube, daß wenn die Welt auch noch so schlecht erscheint, sich alles zum Guten wendet. Ich glaube an Gott, eine höhere Kraft, die einem in schweren Zeiten Hoffnung gibt und die einem hilft, wenn es schwieriger wird, aber nicht nur Gott, sondern auch meine Familie und meine Freunde. Ich weiß, daß meine Familie und meine Freunde mir immer zur Seite stehen und sie mir auch immer helfen, genauso wie Gott. Denn Gott beschützt uns alle und unsere Seelen, er hilft uns auch, wenn wir Hilfe brauchen. Der Weg, der noch kommt, wird schwierig, aber er fällt mir schon viel leichter, weil ich weiß, daß ich meine Familie, Freunde und Gott immer hinter mir stehen habe und sie mich , egal was ich tue, von ganzem Herzen lieben. Ihr seid das Wichtigste in meinem Leben.

Tiziana Neumann

Ich glaube an Gott und die Wiedergeburt – daß wenn man stirbt, die Seele in einen neugeborenen Menschen wandert. Daran, daß die Dinge, egal ob gut oder schlecht nicht ohne Grund passieren. Denn würden die schlechten Dinge nicht passieren, würde man daraus nicht das Entscheidende lernen, das einem in einer späteren Situation helfen kann. Außerdem würde man bestimmte Personen nicht kennen, man wäre nicht so stark ohne das Ereignis und man würde nicht das Leben führen, das man gerade lebt. Es wird zwar nicht immer leicht werden und so laufen, wie man es möchte, aber man darf niemals die Hoffnung verlieren. Denn man ist niemals allein, man hat Freunde und Familie, die immer für einen da sind, egal ob in guten oder in schlechten Zeiten. Sie bringen einem Kraft und zum Lachen.

Celine Grohnert

Konfirmation mit eigenem Bekenntnis und eigener Entscheidung der Konfirmierten

K
onfirmation ist die Bestätigung der als Kind empfangenen Taufe durch den Erwachsenen

In Deutschland beginnt die Religionsmündigkeit (seit der Weimarer Verfassung 1920) mit 14, es ist also die erste Mündigkeit, die einem Jugendlichen verliehen wird. Ein 14-Jähriger könnte also auch gegen den Willen der Eltern Jude, Moslem oder Hindu werden. In der heutigen Realität entscheiden sich wenig Menschen ohne äußeren Anlaß für oder gegen eine Religion, sie werden in die Kirche hineingeboren, sie wollen kirchlich heiraten oder umgekehrt, sie sind im Osten ohne Kirche geboren, die finanzielle Belastung wird zu groß, da die Kirche nicht mehr besucht oder in Anspruch genommen wird.

Die biblische Taufe war ausschließlich die Erwachsenentaufe, die heute in dieser Form allein von den Baptisten vertreten wird. Erst nach der Entwicklung des Christentums von einer Untergrundreligion zur Staatsreligion im Römischen Reich in der Zeit von 200 bis 400 nach Christus wurden auch Kinder getauft, da jeder nun das Leben lang Christ blieb, weil er es bleiben mußte. Die fehlende       Wahlfreiheit galt in großen Teilen Europas bis vor etwa 150 Jahren – denn auch nach der erfolgreichen Reformation galt in Europa in der Regel: „Cuius Regio - eius Religio“  Die Religion / Konfession       Herrschers des Landes ist auch die Religion / Konfession des Bürgers dieses Landes. Martin Luther wußte von den Problemen der Kindstaufe. Daher hat er die Konfirmation eingeführt (aber sie nicht als     Sakrament eingesetzt) und mit ihr die Firmung und Erstkommunion der katholischen Kirche ersetzt. Von den vier Säulen der Taufe:

Segnung des Kindes

Vergebung der Sünden

Aufnahme in die Kirche

Bekenntnis des eigenen Glaubens

ist für ein kleines Kind nach unserem evangelischen Verständnis nur die Segnung schon real.

Der Säugling ist nach evangelischem Verständnis noch frei von Schuld, das Kind erwirbt mit seinem freien Willen und seiner zunehmenden Selbstständigkeit erst nach und nach auch die Fähigkeit zu sündigen (aus sich selbst heraus und durch Erziehung von Aussen). Erst der volljährige gesunde Erwachsene ist auch ganz schuldfähig und kann in vollem Umfang sündigen. Nach katholischem Verständnis dagegen werden wir im Stand der Erbsünde geboren – daher brauchen wir direkt nach der Geburt schon die Vergebung der Sünde. Daher ist hier die Kindstaufe möglichst bald nach der Geburt zwingend, das Kind „kommt sonst in die Hölle“.

In der lutherischen Kirche stehen heute Kindertaufe und Erwachsenentaufe gleichberechtigt nebeneinander. Das Kind gehört über die Eltern oder über einen Elternteil zur Kirche, aber noch nicht nach eigener Entscheidung. Daher nehmen wir in der evangelischen Kirche in der Regel kein Kind zur Taufe an, deren Eltern beide nicht zu einer christlichen Kirche gehören. Das Kind ist, wenn ich an Gott evangelisch glaube, sowieso Kind Gottes, erst mit den Jahren kann es aus sich heraus und durch Andere lernen, auch sündig zu handeln und sich gegen Gott entscheiden. Das Kind braucht also die Taufe nicht, um durch sie erst Kind Gottes zu werden. Die Kindertaufe vergewissert dem Kind, seinen Eltern und Paten und seiner Familie den Segen Gottes, der es umgibt, wie die Luft zum Atmen.
Es ist zum Kindergottesdienst und zum Konfirmandenunterricht eingeladen, um die Kirche und den Glauben kennenzulernen und sich dann vor der Konfirmation als Jugendlicher zu entscheiden, ob es selbst und unabhängig von den Glaubensentscheidungen der Eltern dazugehören will. Dies ist (zum Glück) keine endgültige Entscheidung, heute sind wir frei, unseren Glauben das ganze Leben hindurch zu entwickeln und zu ändern, ihn abzulegen und ihn wieder zu erneuern.

Das eigene Bekenntnis zu Gott hat jeder und jede von uns. Wenn Gott größer ist als jeder von uns Menschen, kann kein Mensch ein Bekenntnis und einen Glauben haben, der Gott ganz umfaßt und Gott ganz versteht. Daß es verschiedene christliche Konfessionen und Kirchen gibt, daß es in der Welt verschiedene Religionen gibt, ist also kein Fehler und keine Böswilligkeit der Menschen, sondern im Gegenteil eine Anerkennung der Tatsache, daß Gott größer ist als der Mensch. Ähnlich liebt ja auch (fast) jeder Mensch einen anderen Menschen auf andere Art und es lieben nicht alle Menschen den gleichen Menschen auf gleiche Weise. Die größte Sünde der Fundamentalisten aller Religionen und Konfessionen ist genau ihre Aussage: „Wir haben den rechten Glauben, Ihr habt ihn nicht“. Diese Menschen stellen sich damit auf eine Stufe mit Gott und verstoßen damit gegen das erste und das zweite Gebot.

In meinem Konfirmandenunterricht biete ich das Kennenlernen und das Einüben des Glaubens an. Die Jugendlichen sollen lernen, Stellung zu beziehen und auszusprechen, was ihnen am Herzen liegt ("Wo dein Herz ist, da ist dein Gott", Martin Luther). Sie lernen die Gebote, die Bibel, die christliche Botschaft kennen. Sie bekommen im Gespräch die Möglichkeit, die Gebote und die christliche Botschaft auf ihr Leben anzuwenden und mit eigenen Worten und Bildern zu verstehen. Sie sollen nicht lernen, so zu glauben, wie ich persönlich glaube oder wie es in den Bekentnisschriften unserer Kirche steht. Was und wie sie glauben, liegt in ihrer Freiheit, aber daß sie sich mit den Dingen des Glaubens und des Lebens beschäftigen, ist mir wichtig, solange sie an meinem Unterricht teilnehmen. Daher sprechen die Jugendlichen bei jeder Konfirmation ihre eigenen Bekenntnisse, von der Gruppe zusammengefaßt und ohne eigenen Namen darunter, weil sie noch schüchtern sind, oder auch individuell mit Namensnennung und selbst vorgetragen, wenn sie keine Angst haben.

Wenn es im und zum Schluß des Konfirmandenunterrichtes für die Konfirmanden nicht die Möglichkeit gibt, zu sagen: „Ich glaube nicht an Gott“ oder: „Ich zweifle an Gott“, ist es kein Konfirmationsunterricht im Sinne der Reformation. Dann ist es nur ein Initiationsritus nach nordeuropäischem Kultus, der den Schritt vom Kind zum Erwachsensein besiegelt und feiert. Dann lassen wir die Jugendlichen allein und können in allen unseren Gemeinden 4 – 8 Jahre später nur die Austrittserklärungen von etwa 2/3 der ehemaligen Konfirmanden aus unserer Kirche entgegennehmen, die wir vorher konfirmiert haben. Sie sagen uns dann in unpersönlicher und unverbindlicher Form: „ Ich glaube nicht an Gott“ oder „Ich glaube auf meine Art an Gott, zu der ich keine Kirche oder Gemeinschaft brauche“ oder „Mir sind Glaubensfragen ziemlich egal und Euch anscheinend auch, Ihr wollt nur viele Mitglieder haben, das verstehe ich, meine Firma will auch viele Kunden haben.“

Es treten nach meinem Unterricht nicht mehr oder weniger Jugendliche aus der Kirche aus als in anderen Gemeinden. Aber sie wissen zumindest, warum sie es getan haben (vielen bin ich in den vergangenen 30 Jahren in Lohbrügge wieder begegnet). Sie haben ein klares Wissen von der Freiheit und von der Verbindlichkeit sowohl des Glaubens wie auch des Nicht-Glaubens. Schwammige Gleichgültigkeit ist ihnen weniger nahe, das Wissen, daß sie selbst als Erwachsene ihren Glauben und ihre Zweifel gestalten, ist ihnen vertraut.
Dies wird deutlich, wenn sie trotz ihres Austritts Paten werden wollen. Daß dies nicht geht, brauche ich ihnen dann nur kurz in Erinnerung zu rufen, sie werden dann Taufzeugen mit einem persönlichen Versprechen, für das getaufte Kind einzutreten. Ebenso ist es bei der Trauung und bei der Beisetzung, bei der ich auf dem Respekt gegenüber dem persönlichen Willen und der persönlichen Mitgliedschaft oder Nicht-Mitgliedschaft der Ehepartner oder des Verstorbenen bestehe. Einen Traugottesdienst für Menschen, die beide keiner christlichen Kirche angehören, halte ich nicht. Für die Angehörigen von ausgetretenen Verstorbenen, die sich selbst zur Kirche zählen, gibt es das Angebot eines Gedenk- oder Abschiedsgottesdienstes. Einen Verstorbenen gegen seinen Willen unter das Kreuz zu zwingen, empfinde ich als unwürdig und noch nach dem Tod als entmündigend.

Nach dem Tod gilt wie nach der Geburt: Wenn Gott einen Menschen annimmt, hängt dies nicht von unseren Ritualen ab. Gott hat uns die Möglichkeit gegeben, Rituale zu schaffen, da sie uns helfen (nicht Gott), mit einem neuen Leben, mit Liebe, mit Schuld, mit unserem Willen und mit dem Tod umzugehen. Aber wir bringen durch unsere Rituale keinen Menschen zu Gott hin oder von ihm weg. Gottesdienst bedeutet nicht, daß wir Gott etwas geben. Es bedeutet, daß Gott uns dient und seine Hilfe gibt.

Pastor Johannes Schröder