Segen

Die Vorstellung ist verbreitet, daß die Kirchen den Segen verwalten und die Priester und Pastoren ihn erteilen. Diese Vorstellung ist den Kirchen nicht ungelegen, gibt sie ihr doch Macht über Menschen und eine "Ware", die begehrt ist. Auch vielen Gläubigen, Zweifelnden und Unentschiedenen liegt diese Vorstellung. Ist damit doch die Verantwortung für den Segen nicht in der eigenen Hand, sondern in den Händen einer geordneten Institution.

Doch verhält es sich mit dem Segen wie mit der Luft zum Atmen. Er ist da, ohne und bevor ein Mensch etwas tun muß. Der Mensch ist allerdings frei, für sich den Segen abzulehnen oder ihn auch anderen Menschen zu verstellen (so wie er Atemluft verschmutzen kann).

Die Taufe ist damit nicht notwendig, um gesegnet zu sein. Die früheren Aussagen von Kirchen, ungetaufte Kinder kämen nicht in den Himmel, sind von der Vorstellung getragen gewesen, Gottes Gaben auf Erden allein verwalten zu können oder (katholisch) gar zu müssen.

Die Taufe ist keine Tat des Menschen für Gott. Sondern eine Möglichkeit, sich an den vorhandenen Segen Gottes zu erinnern, ihn zu verstehen und zu versprechen, dem Kind den Segen nicht zu verstellen, sondern ihn ihm offen zu halten
Ebenso ist es mit den anderen Segens-Versprechungen, wie der Konfirmation, der Trauung oder dem Abschied bei der Bestattung.

Fremder ist für die meisten Menschen der gegenseitige Segens-Wunsch ohne Einschalten einer Kirche oder einer Religion. "Ich wünsche Dir Segen" ist damit nicht mehr von Vorstellungen eines priesterlichen oder magischen Aktes verstellt, sondern ist der reale Wunsch: "Du mögest Dein Leben ungehindert leben können und Dir selbst ein Segen sein".